Englische Telefonzelle jetzt offener Bücherschrank

Zu neuen Ehren kam die englische Telefonzelle im Jubiläumsjahr am Longdendale Platz in Schönenberg. Unter Koordination des Lenkungsteams der Historischen Rheinischen Christophorus-Fahrt konnte dieses Relikt fachmännisch restauriert und dem neuen Zweck – einem offenen Bücherschrank für alle – zugeführt werden.

Jahrelang dämmerte die Zelle im Dornröschenschlaf. In Zeiten von mobiler Kommunikation wurden nach und nach bundesweit die öffentlichen Telefonzellen abgebaut, weil kein Bedarf mehr vorhanden war. Davon betroffen war auch die rote Zelle in Schönenberg, die auf Initiative des damaligen Vorsitzenden des Partnerschaftskommitees Ruppichteroth/Longdendale, Robert Lehmann, in den 1980er Jahren ihren Weg ins Bröltal fand. Schönenberg hatte den Longendale Platz an der B 478 und dort fand die Zelle auch ihre neue Heimat.

1988 schrieb Lehmann an die British Telecom, die diese Zellen veräußerte. Geplant war ursprünglich eine sogenannte „K2“ zu erstehen, die man auch zum Kiosk umfunktionieren konnte. Gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden des Bürgervereins Schönenberg, Fritz Pütz, plante man, den neu gestalteten Longdendale Platz mit solch einer Originalzelle zu bereichern und vielleicht einen Kiosk darin zu eröffnen. Das Vorhaben konnte aber so nicht umgesetzt werden. Der Markt um die „K2“ war leergefegt. 1926 wurde diese von dem englischen Designer Sir Gil Gilbert Scott entworfen und in einer Stückzahl von 1702 Zellen produziert. Ruppichteroth erhielt eine Absage für die K2, viele waren in die USA exportiert worden und die, die man noch anbieten konnte, in schlechtem Zustand. Dann kam das Angebot der British Telecom, dass eine Londoner „K6“ käuflich zu erwerben wäre. Am 18. August 1988 bestellte Robert Lehmann diese, wenige Wochen später erreichte sie ihre neue Heimat. Im Jahr 1936 designte Scott auch die „K6“. 60.000 wurden produziert, Schönenberg besitzt eine von 2.072 Zellen, die weltweit noch existieren. Zum Preis von 250 englischen Pfund wechselte sie damals den Besitzer.

Zum Schandfleck war die Telefonzelle mittlerweile verkommen. Jetzt erstrahlt sie wieder in neuem Glanz. Nach umfassenden Recherchen konnte das Lenkungsteam der Historischen Rheinischen Christophorus-Fahrt bei einem Restaurator im Süddeutschen – der sich u.a. auf die Restauration englischer Telefonzellen spezialisiert hat – Hinweise auf die Originalfarbe erhalten. Metallbaumeister Ernst Kirchner aus Ruppichteroth war sofort bereit, sich dem Anliegen ehrenamtlich anzunehmen, sie zu restaurieren und den Erhalt der Zelle für unsere Gemeinde zu sichern. Die neuen Fundamente gossen die Lenkungsteammitglieder Dieter Keuenhof und Stephan Heuser. Der Bauhof der Gemeinde stellte die Zelle wieder am alten Platz auf. Ein offener Bücherschrank sollte sie werden und damit eine weitere Bereicherung für Schönenberg. Der Ruppichterother Tischlermeister Kai Reinl – Vorsitzender des Schaufensters Ruppichteroth e.V. - war sofort mit im Boot und baute ebenfalls ehrenamtlich die fehlenden Regale ein, damit die Zelle als Bücherschrank fungieren kann. Für manche Radfahrer wurde die Telefonzelle zwischenzeitlich ein beliebter Ort, um den eigenen Drahtesel zu befestigen. Die Kreissparkasse Ruppichteroth und ihr Leiter Tobias Quadt sponserte sofort einen entsprechenden Fahrradständer, damit die Telefonzelle geschont bleibt.

Jetzt übergab Bürgermeister Mario Loskill die Zelle der Öffentlichkeit im Beisein von Mitgliedern der Lenkungsgruppe und den Förderern und Unterstützern dieses Projekts. „Mein großer Dank gilt allen, die geholfen haben, unsere historische Telefonzelle zu retten“. Darüber hinaus konnte Bürgermeister Mario Loskill die Schönenbergerin Claudia Winkler zur Betreuung des offenen Bücherschrankes gewinnen. Sie erklärte sich sofort bereit, sich um den Bücherschrank zu kümmern, damit er stets attraktiv und gefüllt bleibt. Jeder, der gut erhaltene Bücher abzugeben hat, kann sich gerne an sie wenden (claudia.winkler@ruppichteroth.de oder 02295-4942).

Englische_Telefonzelle


Foto: Lenkungsgruppe Historische Rheinische Christophorus-Fahrt

Bild v.li.n.re.: Bürgermeister Mario Loskill, Lenkungsteam Christina Ottersbach, Kai Reinl, Ernst Kirchner, Lenkungsteam Dieter Keuenhof, Lenkungsteam Werner Schmitt