Heimatsage - Kunde von der Ereignissen der Vergangenheit

Eine Hauptrolle in der Geschichte Ruppichteroths hat nachweisbar sehr früh der Rittersitz Schloss Herrenbröl gespielt. Darüber besteht eine mehr oder weniger historische Erzählung aus dem 12. Jahrhundert: über einen Dietrich von Bruell und seine Gemahlin sowie über beider Freund, Dietrich von Auel. Aus dieser Sage können bestimmte Rückschlüsse auf die heutige Erscheinungform des Ruppichterohter Wappens gezogen werden.

"In der Pfarrkirche zu Ruppichteroth scheinen die Stifter alter Kirchenfenster um das Jahr 1500 die Rittersleute ,Engelbrecht vom Scheydt, genannt Wederschit und Anna Maria von Breylichs, genannt von Lullenberch, die Nachfahren jenes Ritters Dietrich von Bruell (Herrenbröl) gewesen zu sein. Dieser Besitz ging Ende des 18. Jahrhunderts auf die adelige Familie von Martial über. Durch widrige Verhältnisse ging der reiche Besitz nach und nach in bürgerliche Hände über. Heute sind von dem ehemaligen Schlosse zu Herrenbröl und seiner ganzen Herrlichkeit nur noch spärliche Trümmer zu sehen. Urkundlich bestand noch 1758 für die dortige Hauskapelle ein besonderes Privileg. Im Anschluss an die Vorbilder auf den alten Kirchenfenstern wurde die Form der Tartsche für den Schild gewählt."

Es folgt eine Zusammenfassung der Heimatsage über Ritter Dietrich und seine Gemahlin auf Schloß Bruell im Auelgau, aufgeschrieben bei Pfarrer Johann Peter Reidt, Ruppichteroth, in "Miszellaneen über Ruppichteroth", Selbstverlag 1895, S.66ff.

Dietrich von Bruell zieht mit seinem Freunde Dietrich von Auel in den Kreuzzug. Dietrich von Herrenbröl sinkt in einem Handgefecht nieder und wird für tot gehalten; er erholt sich jedoch und muss als Gefangener hinter Kerkermauern leben. Sein Freund, der ihn auch für tot hielt, kann sich durchschlagen und gelangt nach langer Irrfahrt wieder in die Heimat, wo er schonend der wartenden Burgfrau die traurige Nachricht von dem Tode seines Kampfgefährten überbringt. Dietrich von Herrenbröl gelobt in der Gefangenschaft, zu Ehren der hl. Magdalena eine Kirche an der Stelle zu errichten, wo er die Heimat wieder erblicke. Der Fürsprache dieser Heiligen glaubt er auch seine plötzliche Errettung zu verdanken, als er nach sieben Jahren morgens in einem Felde erwacht und die Ketten von ihm abfallen. Bei dem Anblick des grünen Waldhügels an Stelle der düsteren Kerkermauern ruft er aus: "O, du schöner Berg." (Daher soll die heutige Ortsbezeichnung Schönenberg stammen. Die Abgrenzung vom Schildhaupt erfolgte im Hinblick auf das Wort "mons" in Wellenlinie im Wappen).

Von einem Schäfer erfuhr der Ritter, dass sich in der Nähe seine Heimatburg befinde und daß seine Gemahlin an diesem Tage Dietrich von Auel ehelichen will, nachdem sie sieben Jahre vergebens auf die Rückkehr gewartet habe. Es gelingt dem Ritter, sich rechtzeitig seinem Gemahl erkennen zu geben. Nun findet eine Wiedersehensfeier statt, an Stelle der beabsichtigten Hochzeit. Die beiden Kampfgefährten bleiben fürderhin Freunde. An der Stelle der wunderbaren Errettung ließ er die Magdalenenkirch errichten, die heutige Pfarrkirche zu Schönenberg." Die wundersame Rettung aus der Gefangenschaft darf sicher nicht wörtlich genommen werden. Immerhin sind die Existenz einer Burg in Herrenbröl (die Ruine ist noch vorhanden), die Datierung der ersten Kapelle in die Zeit der Kreuzzüge und der Erwähnung des Namens Auel zutreffende Indizien.

Überraschend ist allerdings, dass in unserer englischen Partnergemeinde Longdendale (bei Manchester) eine ähnlich Sage existiert. An der Südseite der Kirche in Mottram befindet sich eine Kapelle, in der sich die Porträts eines Ritters und seiner Gemahlin befinden. Die Sage weiß zu berichten, dass der Ritter, bevor er an einem Kreuzzug ins Heilige Land teilnahm, den Ehering seiner Frau in zwei Hälften zerbrach, und jeder behielt eine Hälfte. Er wurde gefangengenommen und nach langer Zeit auf das Versprechen hin freigelassen, mit einem Lösegeld zurückzukehren. Als Pilger verkleidet kam er schließlich in die Nähe von Mottram. Da er aber zu müde war, um weiter zu wandern, legte er sich schlafen. Am nächsten Tag ging er zu seinem Schloss. Man sagte ihm, dass seine Frau heiraten würde und ihn nicht empfangen könnte. Er bat um ein Glas Met. Als man ihm den Trank brachte, legte er seinen Teil des Ringes in das Glas und bat den Diener, es seiner Frau zu bringen. Der Diener tat dies. Man erkannte den Ritter und alles nahm ein gutes Ende. Duplizität der Ereignisse im Bröltal und im fremden Mottram? Wir dürfen annehmen, dass die Geschehnisse der Heimatsagen von Schönenberg und Mottram einen Kern Tatsachenschilderung enthalten. Wichtiger als die absolute Wahrheitsfindung ist es, über den Sinn der Heimatsage nachzudenken. Dazu fordert das Wappen von Ruppichteroth auf.